Schlesische Weißwürstchen, Frankfurter Würstchen, Sauerkraut und Kartoffeln mit weißer Mehlsoße

Liebe Besucher,
zu diesem wunderbaren schlesischen Heiligabendessen erzählte mir meine Freundin Simone folgende Geschichte, die um ein Haar fast einen dramatischen Ausgang genommen hätte: 
Der Mann meiner Freundin hatte dieses Gericht erstmalig im zarten Alter von zwei Jahren genießen dürfen. In den folgenden drei Jahrzehnten hatte Klaus nicht ein einziges Weihnachtsfest auf das Traditionsgericht aus Schlesien verzichten müssen. Immer, wenn sich das Jahr dem Ende neigte, fühlte sich Klaus genötigt ausführlich seine langjährige Weihnachtswurst-Geschichte zu erzählen und seine Mutter trommelte die gesamte Familie, später einschließlich der beiden Schwiegertöchter, zum Festmahl zusammen. Dieses immer wiederkehrende Familienritual sollte sich, wie ich in Folgendem zu beschreiben versuche, sehr prägend auf den Angetrauten meiner Freundin auswirken.
In diesem Jahr hatte Klaus nach einem gemeinsamen Umzug in eine hübsche neue Wohnung das Bedürfnis mit Simone und seinen beiden Kindern Heiligabend allein zu feiern. Das Gelingen des traditionellen Würstchen-Menüs lag nun ganz allein in Simones Händen. Was für ein immenser Druck sollte auf dieser armen Frau lasten?
Sehr selbstkritisch stellte sie sich die Frage, ob es überhaupt im Bereich des Möglichen war, die Weihnachtswürstchen so perfekt wie Ihre Schwiegermutter hinzubekommen? Eigentlich ein fast hoffnungsloses Unterfangen bei Klaus enorm hohen Anforderungen. Aber Simone packte der Ehrgeiz. Der erste Heiligabend allein mit ihrer eigenen Familie, sollte doch ein voller Erfolg werden. Nein, er MUSSTE ein voller Erfolg werden. Leider hing der Ausgang sehr wesentlich von ihren Kochkünsten ab.
Voller Sorge informierte sie sich bereits Wochen vor dem Fest bei diversen Metzgern, ob sie diese besonderen Würstchen überhaupt führten. Es waren ja nicht IRGENDWELCHE Knacker von Aldi. Mitnichten! Der Kalbfleischanteil mußte bei mindestens 60 Prozent liegen, erklärte ihr die besorgte Schwiegermutter, und die Farbe der "richtigen" Weißwürstchen sei blass-rosa und keinesfalls beige. Keine so leichte Aufgabe die optimalen Würstchen zu besorgen. Nach wochenlanger Recherche hatte sie endlich zwei Fleischer ausgemacht. Einer, ganz in der Nähe ihrer Wohnung, hatte die dunklen Frankfurter Würstchen vorrätig. Für die schlesischen Weißwürstchen jedoch, mußte sie bis an das andere Ende der Stadt um diese für den besonderen Tag vorzubestellen…
Simone hatte am Heiligabend das Gefühl sich in den letzten Wochen ausschließlich mit SCHLESISCHEN WEISSWÜRSTCHEN beschäftigt zu haben. Aber die Vorfreude auf ein idyllisches Fest, allein mit Mann und Kindern, entschädigte sie für jeglichen Aufwand. Endlich war der 24. Dezember gekommen. Klaus bekam den Auftrag die vorbestellten Würstchen abzuholen und kam mit den Einkäufen knapp eine Stunde später wieder nach Haus. Voller Neugierde riss er die Verpackung auf und schrie entsetzt:" Was sind denn DAS für Würstchen? Die sind ja gar nicht rosa! Bah, die können ganz sicher nicht so schmecken wie die von Mutti!"
In diesem Moment gelang es Simone dennoch die Contenouce zu bewahren. Seit Wochen hatte sie sich förmlich den Hintern aufgerissen, um es ihrem Mann recht zu machen und dann sowas. 
Mit einer sanften Handbewegung legte sie die gerade noch in den Händen gehaltene Tageszeitung auf den Frühstücktisch und sagte in einem sehr ruhigen, jedoch gefährlich entschlossenen Unterton: "Ich fahr’ zu meiner Mutter! Frohe Weihnachten allerseits!"
Eine sehr verständliche Reaktion, wie ich finde. Wahrscheinlich hätte ich selbst schon nach den ersten erfolglosen Versuchen, einen passenden Metzger zu finden, kapituliert. Verehrter Leser, keine Angst, natürlich ist Simone nach einem Blick in die entsetzten Augen ihrer Kinder daheim geblieben. Klaus stand völlig unter Schock nach der klaren Ansage seiner Frau und entschuldigte sich umgehend bei ihr. Es versteht sich von selbst, dass der Brilliantring für Simone in diesem Jahr etwas teurer ausfiel…..
Wer nach dieser Dramatik immer noch Lust auf Essen hat, hier das Rezept für eine Großfamilie zum nachkochen: 
Schlesische Weißwürstchen, Frankfurter Würstchen, Sauerkraut
und Kartoffeln mit weißer Mehlsoße
Zutaten:
1 großes Stück geräuchertes ,
durchwachsenes Bauchfleisch (gutes Pfund)
8 Schlesische Kalbsweißwürstchen
8 Frankfurter Würstchen
Folgende Gewürze:
1 Tl. Rosmarin
2 Tl. Majoran
1/2 Tl. Salz
1/4 Tl. Pfeffer
1 Tl. Senfkörner
1 Lorbeerblatt
4 Wacholderbeeren
3 Nelken
2 Tl. Senf
2 - 3 Maggiwürfel
2 - 3 fette Brühwürfel
3 Zwieben
Zubereitung:
* Das Bauchfleisch in einen großen Topf geben, ca. 5 - 6 Liter Wasser darüber gießen. Mit Salz, Pfeffer, Majoran, Rosmarin, Senfkörnern, Lorbeerblatt, Wacholderbeeren, Nelken, Senf, Brüh- und Maggiwürfel würzen.
* Zwiebeln halbieren und dazu geben. Alles ca. 2 Stunden köcheln lassen.
* Danach die Frankfurter Würstchen dazu und nochmals eine halbe bis dreiviertel Stunde mitköcheln lassen.
* Die Frankfurter Würstchen und das Bauchfleisch warmhalten. Die Soße sieben. Mehl anrühren (ca. 12 Eßl.) die Soße damit binden. Anschließend die Weißwürstchen in der Soße nochmals ca. 20 Minuten ziehen lassen.
Auf gutes Gelingen!
Eure Bine
Tags: Essen, Heiligabend, Schlesische Weißwürstchen, Weihnachten, Weihnachtsfest, Weihnachtsrezepte, Würstchen