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Schlesische Weihnachtswürstchen

 

Liebe Besucher unseres Restaurantführers und Essens-Guide,

alle Jahre wieder trägt sich auf Weihnachten zugehend in unserer Familie der ganz normale Wahnsinn zu. Die Nervosität steigt mit jedem Tag, und die bange Frage steht dräuend im Raum:

Klappt es dieses Jahr mit den Weihnachtswürstchen?

Tatsächlich resultiert die Angst, dass nicht alle benötigten Inkredienzien für das ungewöhnliche Mahl rechtzeitig zu Verfügung stehen könnten, aus einer Zeit, die etwa vor 50 Jahren begann und erst in den letzten Jahren ihr vorläufiges Ende gefunden hat, bzw. gefunden zu haben schien…

…zu SCHIEN! Aber dazu später mehr.

Um all das zu verstehen, muss man wissen, dass Weihnachten in unserer Familie fest mit dem Festmahl "Schlesische Würstchen" verknüpft ist. Erst wenn wir am Heiligen Abend aus der Kirche kommen und dieser unbeschreibliche Duft von der Küche ausgehend die Luft des Hausflures und des Wohnzimmers schwängert, stellt sich bei uns das richtige Weihnachtsgefühl ein. Wir beschränken uns dann nicht darauf, es am Heiligen Abend zu essen, sondern es ist auch zum Frühstück und zum Mittag oder Abend des 1. und 2. Feiertages das Hauptmahl. Und das Schöne ist, dass es mit jedem mal besser schmeckt, da die Würstchen mit zunehmender Zeit immer intensiver den Geschmack der einzigartigen Soße annehmen…

Für viele Jahre war es aber ausgesprochen schwer, genau diese Würstchen (Schlesische Weiße und Schlesische Geräucherte) zu erhalten, da sie im Ruhrgebiet nur von ganz wenigen Metzgern überhaupt gemacht wurden - und das auch nur exakt zum Weihnachtsfest. Hatte man dann endlich einen Metzger gefunden, bei dem man die Würstchen vorbestellen konnte, durfte man sich allerdings nicht darauf verlassen, dass der auch im nächsten Jahr noch dort zu finden war, wo man ihn im vorherigen Jahr gefunden hatte. Oftmals begann kurz vor dem Fest, die Suche nach diesem oder einem anderen Metzger, bei dem die Würstchen zu bekommen waren. Und jedesmal unter Zeitdruck und verbunden mit großem Stress!

Aber es waren nicht nur die Würstchen selbst, die Kopfzerbrechen bereiteten, sondern auch die zum Teil ungewöhnlichen Zutaten, wie Pastinakwurzel und Fischkuchen. Unglücklicher Weise verkauften die Metzger diese Zutaten nicht mit, sondern man musste sie wiederum ganz wo anders erstehen. Und das war oftmals noch schwieriger, als das Auffinden eines geeigneten Metzgers.

So kann ich mich an Weihnachtsfeste erinnern, wo meine Großmutter und meine Mutter unter Tränen und aus der Not geboren mit Lebkuchen anstelle von Fischkuchen und mit irgendwelchen anderen Wurzeln zum Ersatz von Pastinaken experimentierten. Einfach nur dehalb, weil es in jenem Jahr nirgends Möglichkeiten gab, Pastinak oder Fischkuchen zu erstehen. Sicherlich liegen Lebkuchen und Fischkuchen (der entgegen seinem Namen überhaupt nicht nach Fisch schmeckt) geschmacklich nicht soooo weit auseinander und es gibt auch der Pastinak sehr ähnliche Wurzeln. Aber letztlich schmeckte es in diesen Jahren doch leider nicht wirklich ganz so, wie es eigentlich schmecken sollte…

Die Jahre vergingen, und irgendwann verringerten sich im Zuge der Globalisierung ;) die Probleme, Würstchen und Zutaten zu bekommen. Fischkuchen und Pastinak kann man mittlerweile übers Internet bestellen und die Zahl der Metzger und Delikatessenläden, die auch Schlesische Würstchen verkaufen, sind mit den Jahren immer mehr geworden.

So ging es dann einige Jahre recht ruhig um die Würstchen zu. Bis zum Weihnachtsfest 2006, als uns am Abend vor dem Heiligen Abend ein aufgeregter Anruf meiner Mutter erreichte. Mit deulich erkennbar weinerlicher Stimme sagte meine Mutter: "Es ist etwas ganz Schlimmes passiert!"

Das Herz rutschte mir in die Hose! Man dachte an einen Unfall, Herzinfarkte oder sonstige Dramen. Tatsächlich aber hatte mein Vater den Ladenschluss des Metzgers, bei dem er die ganzen Würstchen bestellt hatte, falsch eingeschätzt und bekam somit keine Würstchen mehr! Beim Anruf meiner Mutter war es 19 Uhr 30. EIne halbe Stunde bevor der letzte Laden schließen würde. In einer konzertierten Aktion wurde abgestimmt, wer wohin fahren sollte, um die Wahrscheinlichkeit, dass jeder noch ein paar Würstchen erstehen würde, zu erhöhen. Und tatsächlich gelang das fast Unmöglich erscheinende…

In den allerletzten Minuten bekamen meine Freundin und ich noch ein paar weiße Würstchen und noch weniger geräucherte, dafür erhielt mein Vater in einem anderen Laden noch ein paar geräucherte und einige wenige weiße Würstchen. Am Ende hatten wir gerade so viele Würstchen bekommen, wie wir brauchten, und die letzten auf dem Markt befindlichen Exemplare aufgekauft…

Ich glaube, in diesem Jahr schmeckte das Weihnachtsessen noch besser, als all die Jahre zuvor !

 

Nun aber zum Rezept!

Meine Mutter besteht darauf, fetzustellen, dass es keine festen Angaben zu den zu verwendenden Mengen gibt. Man muss es nach Gefühl und nach Geschmack machen.Es ist ja auch so, dass sich im Verlaufe der drei Weihnachtstage permanent, weil zwischendurch immer wieder Würstchen entnommen und Dunkelbier hinzugeschüttet wird und wieder neue Würstchen hinein gelegt werden…

Was man genau alles benötigt, hat mein Vater in dem Scan am Beginn der Seite bereits handschriftlich niedergelegt:

- original Schlesische Würstchen (weiße UND geräucherte)
- geräucherten durchwachsenen Speck
- Pastinakwurzel
- Fischkuchen
- Dunkelbier (= alkoholfreies Malzbier)

Gemacht wird es wie folgt:

Den Speck mit Pastinakwurzel in Wasser aufkochen und Malzbier zugießen.
Fischkuchen in Malzbier auflösen und dem kochenden Sud beimengen.
So lange rühren bis eine sämige Masse entsteht.
Danach werden die Würstchen in der Flüssigkeit erwärmt und ziehen lassen…

Gaaaaanz wichtig ist allerdings, auch folgendes zu berücksichtigen:

Man benötigt Brot (idealer Weise Weißbrot oder Kassler). Dieses wird in kleinen gebrochenen Stücken in die Soße gebröselt. (Ich selber könnte fast auf die Würstchen verzichten, weil ich das Brot mit der süßen Soße ungemein lecker finde.

Dazu kommt noch Sauerkraut! (Die einen mögen es lieber nur gekocht, die anderen lieber angebraten.)

Und das Allerwichtigste: Es wird ganz viel Helles Bier benötigt!
Warum? Weil es ein absoluter Stilbruch wäre, zu diesem lukullischen Mahl Sekt oder Wein zu trinken.
Ein herbes helles Bier bildet die gelungene Synthese in Verbindung mit der süßlichen Dunkelbiersoße!
(Allerdings ist auch ein Malzbier insbesondere für die Jüngeren okay…)

In diesem Sinne wünschen wir allen ein Frohes Genussreiches Weihnachtsfest
(Und wenn jemand nicht wissen sollte, ob die Soße so okay ist, wie er sie auf Basis dieses Rezeptes gemacht hat: Einfach anrufen und ich komme vorbei! ;) )

Liebe Grüße

Euer Ralf

 

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One Response to “Schlesische Weihnachtswürstchen”

  1. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. - Seite 2 - Alles was ihr euch zu sagen habt - PhantasieRaum-Forum Says:

    [...] Aber gaaaaaanz spezielle W

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